Positive Geburt mit Saugglocke - Christine & Charlotte

Ich hatte, schon bevor ich daran dachte jemals ein Kind zu bekommen, Angst vor einer natürlichen Geburt und habe mir gesagt, wenn ich mal schwanger bin, entbinde ich per Kaiserschnitt. Als es soweit war erkundigte ich mich viel über einen Wunsch Kaiserschnitt.


Mit der Zeit der Schwangerschaft änderte ich meine Meinung und nach dem Hypnobirthing Kurs war ich einer natürlichen Geburt gegenüber super entspannt. Ich hatte keine Angst mehr und sah es gelassen. Es kommt wie es kommt...

Die einzige Sorge die blieb: Hoffentlich muss ich nicht eingeleitet werden und habe keine schlimmen Geburtsverletzungen! Das waren meine Ängste, die ich noch hatte.


Wir waren nun 3 Tage über dem ET, hatten zwei Eipolllösungen beim Frauenarzt und haben alles andere versucht was man so versuchen kann. Am Abend des 21.7. gab es noch scharfes Essen vom Inder. Wir sind schlafen gegangen und um 2 Uhr Nachts bin ich aufgewacht, weil ich periodenartige „Schmerzen“ im Unterleib hatte. Tage zuvor hatte ich immer wieder Wehenartige Kontraktionen, aber es hielt nie an. Ich wusste es in diesem Moment einfach: Es ist soweit!


Habe noch eine Stunde gewartet und geschaut wie oft sie kommen. Alle 7 Minuten. Um 3 Uhr habe ich dann meinen Freund geweckt, der ein Glück zuhause war (der durch den Schichtdienst auch öfter Nachts gearbeitet hat). Eigentlich wollte ich solange wie möglich zuhause bleiben, aber irgendwie wurde das verworfen und ich dachte gar nicht mehr daran.


Um 4:30 Uhr kamen wir im Krankenhaus an und mein Freund klingelte beim Kreißsaal und sagte: Ich glaube meine Freundin bekommt ihr Kind. Daran denke ich immer noch gerne zurück und bereitet mir ein Lächeln. Die Wellen kamen teilweise alle drei Minuten aber sie waren auszuhalten.


Wir wurden aufgenommen, durften ins Vorwehenzimmer und man fragte mich ob ich noch in die Wanne möchte, spazieren gehen mag oder ob mir was anderes gut tun würde. Ich entschied mich für die Wanne. Hier gab es auch Öle, die ich bereits beim Kurs kennengelernt habe. Von Anfang an habe ich Entspannungsmusik mit dem Handy laufen lassen.


Ich befand mich von da an wie in einem Trancezustand. Ich bekam sehr schnell heftige Wellen und musste sie veratmen. Saß auf einem Gymnastikball und mein Freund meinte, ob ich schon mal ein Kind zur Welt gebracht habe. Er war so beeindruckt wie ich das alles so automatisch gemacht habe.


Man wollte mir ziemlich früh einen Zugang legen und auch das wollte ich eigentlich nicht, hatte ich mir im Voraus gesagt. Auch das kam anders. Ich fühlte mich wohl und habe dem zugestimmt und bekam dann einen Zugang, wo ich auch Schmerzmittel bekam, da ich darum bat.


Um 10 Uhr ging es bereits in den Kreißsaal. Immer wieder wurde ich untersucht, hing am CTG und man teilte mir mit wieweit der Muttermund offen ist. Darauf habe ich aber nie viel gegeben, weil ich wusste, dass es dennoch ganz schnell gehen kann.


Da ich mich die ganze Zeit in einem Tranceähnlichen Zustand befand weiß ich gar nicht mehr so viel und von den Uhrzeiten her sowieso nicht. Ich weiß nur folgendes: Die Wellen waren unglaublich stark, ich wollte aber noch keine PDA, weil ich mir dachte: Das schaffe ich auch ohne!


Ich musste mich übergeben, an Essen war nicht zu denken und hatte Angst, dass ich ohne Essen zu schwach bin. Die Hebamme beruhigte mich und meinte: Wir Frauen müssen bei der Geburt nichts essen, wir schaffen das auch ohne! Ich habe auf jeden Fall viel getrunken! Die Wellen kamen oft und stark und ich fragte die Hebamme, ich sei mir unsicher ob ich eine PDA jetzt möchte.


Wir haben uns noch dagegen entschieden. Irgendwann (gegen 16 Uhr) kam ich an den Punkt wo ich sie wollte. Konnte nicht mehr klar denken, weil die Wellen so stark waren. Die Hebamme meinte, es sei eine gute Entscheidung und ich habe wirklich lange durchgehalten. Ich muss nicht unnötig leiden. Dann haben wir ein entspanntes Ende, sagte sie. Nach der PDA konnte ich noch schlafen und eine Kleinigkeit essen. Habe sogar meine Schwester via Facetime angerufen.


Irgendwann wurden die Wellen wieder stärker und ich spürte sie sehr intensiv. Der Muttermund war bereits bei 10 cm, aber ich hatte nie das richtige Gefühl pressen zu müssen. Ein Druck war da, aber das wars auch. Ich hatte bereits die 3. Hebamme, die alles tat, dass ich das Baby rausschieben kann. Jede Welle war bereits unerträglich. Es hieß: In spätestens drei Stunden hast du es geschafft. Da dachte ich mir noch: 3 Stunden halte ich aber nicht mehr aus.


Es kam bereits eine Ärztin, die mich immer wieder untersucht hat. Das Köpfchen lag wohl nicht auf der Brust und kam somit nicht durch. Es wurde alles versucht, bestimmte Bewegungen, Beine wurden gekreist und ich habe einfach nur noch funktioniert und habe tatsächlich gesagt: Ich kann nicht mehr!


Die Hebamme schaute mich an: Christine, doch du schaffst das! Wir schaffen das zusammen! Sie war so unglaublich toll. Die drei Stunden waren dann tatsächlich vorbei und die Ärztin meinte, dass wir langsam handeln müssen und das Baby es nicht von selber schafft. Die Rede war von der Saugglocke. Da stieg das erste Mal Panik in mir auf.


Hab sofort gesagt, dass ich das nicht möchte. Ich war eher bereit einen Kaiserschnitt in Kauf zu nehmen. Ich war wirklich kräftemäßig am Ende. Die Ärztin teilte uns mit, dass das CTG zu gut ist um jetzt einen Kaiserschnitt durchzuführen. Ich bin am Ende so unglaublich froh, diese Ärztin an meiner Seite gehabt zu haben. Soviele hätten den Kaiserschnitt angeordnet, aber sie hat mit mir gekämpft.


Also wieder zurück zum Thema Saugglocke. Ich schaute meinen Freund an und sagte ihm, er soll entscheiden, ich kann nicht mehr denken. Er fragte nach den Risiken und nach mehr Details. Die Ärztin erklärte, dass das Baby nur ein bisschen Unterstützung braucht um den Weg zu finden und ich dennoch das Baby auf die Welt bringe und nicht die Saugglocke. Wir stimmten zu.


Am Ende habe ich genau in der Position entbunden, wie ich es nie wollte, weil ich gelesen habe, dass so die meisten Geburtsverletzungen entstehen. Die PDA wirkte schon lange nicht mehr und ich sagte mir, zieh das jetzt durch und folge einfach deren Anweisungen. Es passierte all das, was ich nicht anwenden wollte. Stark pressen, liegen auf dem Rücken etc. Aber ich denke es ging nicht anders!


Der Raum war voller Ärzte. Ich war wie in einem Film und dann ging alles ganz schnell. Die Ärztin „leitete“ mich gut an, teilweise durfte ich nicht pressen, sondern musste hecheln. Und dann, nach nur drei Wellen hörte ich plötzlich ein Glucksen und es hieß, dass Köpfchen sei schon da. Und ich dachte immer, dass Kind kommt sofort im Ganzen raus.


Noch eine Welle, auf die ich mich gefreut hatte, weil ich es komisch empfunden habe, dass das Köpfchen schon da ist. Und plötzlich war sie da und mir laufen beim schreiben die Tränen, weil ich sofort die Bilder vor Augen habe. Unsere Charlotte Lou, geboren am 22. Juli um 20:05, wurde mir sofort auf die Brust gelegt und ich war hin und weg.


Mein Freund und ich schauten uns an und waren die glücklichsten Menschen der Welt und ich so unfassbar stolz auf mich, mein Baby auf natürliche Weise auf die Welt gebracht zu haben. Wir durften alle zusammen kuscheln und lagen noch bis Mitternacht als Familie im Kreißsaal.


Ich bin der Ärztin so dankbar, dass wir eine natürliche Geburt erleben durften. Für mich ist die Geburt komplett anders abgelaufen als ich es mir gewünscht hätte, aber ich denke trotz Schwierigkeiten so gerne daran zurück und empfinde es als das schönste und aufregendste Erlebnis, was ich jemals hatte.


Auch wenn ich in ungünstiger Position entbunden habe und stark pressen sollte, hatte ich super geringe Geburtsverletzungen. Das zeigt wieder: Es muss nicht so schlimm sein, wie man denkt.


Durch den Kurs von Sonja habe ich viel gelernt, hatte zwar keine so entspannte Geburt, konnte aber das Ende der Schwangerschaft entspannt genießen und habe während der Geburt viel umsetzen können, auch wenn das Ende nicht so war wie „gelernt“. Selbst die Hebamme sagte mir noch, dass auch sie super entspannt war durch die Entspannungsmusik, die dauerhaft lief!


Danke Sonja für den tollen Kurs!


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